Der Froschprinz

Jacob und Wilhelm Grimm

Es war einmal ein König, der hatte drei Töchter, in seinem Hof aber stand ein Brunnen mit schönem klarem Wasser. An einem heißen Sommertag ging die älteste hinunter und schöpfte sich ein Glas voll heraus, wie sie es aber so ansah und gegen die Sonne hielt, sah sie, daß es trüb' war. Das kam ihr ganz ungewohnt vor und sie wollte es wieder hineinschütten, indem regte sich ein Frosch in dem Wasser, streckte den Kopf in die Höhe, und sprang endlich auf den Brunnenrand, da sagte er zu ihr:

"wann du willst mein Schätzchen seyn,
will ich dir geben hell, hell Wässerlein."

"Ei, wer will Schatz von einem garstigen Frosch seyn", rief die Prinzessin und lief fort. sie sagte ihren Schwestern was da unter am Brunnen für ein wunderlicher Frosch wäre, der das Wasser trüb machte. Da ward die zweite neugierig, ging hinunter und schöpfte sich auch ein Glas voll, das war eben wieder so trüb, daß sie es nicht trinken wollte. Aber der Frosch war auch wieder auf dem Rand und sagte:

"wann du willst mein Schätzchen seyn,
will ich dir geben hell, hell Wässerlein."

"Das wär' mir gelegen", sagte die Prinzessin und lief fort. Endlich kam die dritte, und schöpfte auch, aber es ging ihr nicht besser und der Frosch sprach auch zu ihr:

"wann du willst mein Schätzchen seyn,
will ich dir geben hell, hell Wässerlein."

"Ja doch! ich will dein Schätzchen seyn, sagte die Prinzessin, schaff' mir nur reines Wasser", sie dachte aber: was schadet dir das, du kannst ihm ja leicht aus Gefallen so sprechen, ein dummer Frosch kann doch nimmermehr mein Schatz seyn. Der Frosch aber war wieder in's Wasser gesprungen, und als sie nun zum zweitenmal schöpfte, da war das Wasser so klar, daß die Sonne ordentlich vor Freuden darin blinkte. Sie trank sich recht satt und brachte ihren Schwestern noch mit hinauf: "was seyd ihr so einfältig gewesen und habt euch vor dem Frosch gefürchtet."

Danach dachte die Prinzessin nicht weiter daran und legte sich Abends vergnügt in's Bett. Wie sie ein Weilchen darin lag und noch nicht eingeschlafen war, da hört sie auf einmal etwas an der Thüre krabbeln, und darnach singen:

"Mach' mir auf! mach mir auf!
Königstochter, jüngste,
weißt du nicht, wie du gesagt
als ich in dem Brünnchen saß,
du wolltest auch mein Schätzchen seyn,
gäb' ich dir hell, hell Wässerlein."

"Ei! da ist ja mein Schatz, der Frosch, sagte die Prinzessin, nun weil ich's ihm versprochen habe, so will ich ihm aufmachen", also stand sie auf, öffnete ihm ein Bischen die Thüre und legte sich wieder. Der Frosch hüpfte ihr nach und hüpfte endlich unten in's Bett zu ihren Füßen und blieb da liegen, und als die Nacht vorüber war und der Morgen graute, da sprang er wieder herunter und fort zur Thüre hinaus. Am andern Abend, als die Prinzessin wieder im Bett lag, krabbelte es wieder und sang an der Thüre. Die Prinzessin machte auf, und der Frosch lag bis es Tag werden wollte wieder unten zu ihren Füßen. Am dritten Abend kam er, wie an den vorigen. "Das ist aber das letztemal, daß ich dir aufmache, sagte die Prinzessin, in Zukunft geschiehts nicht mehr." Da sprang der Frosch unter ihr Kopfkissen und die Prinzessin schlief ein. Wie sie am Morgen aufwachte und meinte, der Frosch sollte wieder forthüpfen, da stand ein schöner junger Prinz vor ihr, der sagte daß er der bezauberte Frosch gewesen, und daß sie ihn erlöst hätte, weil sie versprochen sein Schatz zu seyn. Da gingen sie beide zum König, der gab ihnen seinen Segen und da ward Hochzeit gehalten. Die zwei andern Schwestern aber ärgerten sich, daß sie den Frosch nicht zum Schatz genommen hatten.



Noch eine andere Erzählung

Ein König, der drei Töchter hatte, war krank und verlangte Wasser aus dem Brunnen, der in seinem Hofe stand. Die älteste gieng hinab und schöpfte ein Glas voll, wie sie es aber gegen die Sonne hielt, sah sie daß es trüb war. Das kam ihr seltsam vor, und sie wollte es wieder in den Brunnen schütten, da regte sich ein Frosch darin, streckte den Kopf hervor und sprang endlich auf den Brunnenrand. Er sprach zu ihr

"wann du willst mein Schätzchen sein,
will ich dir geben hell hell Wässerlein.
Willst du aber nicht mein Schätzchen sein,
so mach ich es puttel puttel trübe."

"Ei wer will der Schatz von einem garstigen Frosch sein!" rief die Königstochter und sprang fort. Droben erzählte sie ihren Schwestern von dem wunderlichen Frosch, der im Brunnen sitze und das Wasser trübe. Da gieng die zweite hinunter und schöpfte sich ein Glas, das war auch so trüb daß man es nicht trinken konnte. Da saß der Frosch wieder auf dem Rand und sprach

"wann du willst mein Schätzchen sein,
will ich dir geben hell hell Wässerlein."

"Das wär mir gelegen" rief die Königstochter und sprang fort. Endlich kam auch die dritte Wasser zu schöpfen, aber es gieng ihr damit nicht besser, und der Frosch rief sie an

"wann du willst mein Schätzchen sein,
will ich dir geben hell hell Wässerlein."

"Ja doch", antwortete sie lachend, "ich will dein Schätzchen wohl sein, schaff mir nur reines Wasser, das man trinken kann." Sie dachte "was schadet es, du kannst ihm zu Gefallen das wohl sagen, ein dummer Frosch wird doch nimmermehr mein Schatz werden." Der Frosch aber war wieder in den Brunnen gesprungen, und als die Königstochter zum zweitenmal schöpfte, da war das Wasser so klar daß die Sonne ordentlich vor Freuden darin blinkte. Da brachte sie das Glas hinauf und sprach zu ihren Schwestern "was seid ihr so einfältig gewesen und habt euch vor dem Frosch gefürchtet." Nun dachte die Königstochter nicht weiter daran und legte sich vergnügt zu Bett. Und als sie ein Weilchen lag und noch nicht eingeschlafen war, hörte sie vor der Thüre ein Geräusch, und darnach sang es

"Mach' mir auf! mach mir auf!
Königstochter, jüngste,
weißt du nicht, wie du gesagt
als ich in dem Brunnen saß,
du wolltest auch mein Schätzchen sein,
gäb' ich dir hell hell Wässerlein."

"Ei! da ist ja mein Schatz, der Frosch", sagte das Königskind, "weil ich's ihm versprochen habe, so will ich ihm aufmachen." Also stand sie auf, öffnete ihm ein wenig die Thüre und legte sich nieder. Der Frosch hüpfte ihr nach und hüpfte endlich unten ins Bett zu ihren Füßen und blieb da liegen, und als die Nacht vorüber war und der Morgen graute, sprang er herunter und fort zur Thüre hinaus. Am andern Abend, als die Königstochter wieder im Bett lag, krabbelte es abermals vor der Thüre und sang das Sprüchlein, sie machte wieder auf, und der Frosch lag noch eine Nacht zu ihen Füßen. Am dritten Abend kam er wieder, da sprach sie "das ist aber das letztemal, daß ich dir aufmache, in Zukunft geschiehts nicht mehr." Da sprang der Frosch unter ihr Kopfkissen, und sie schlief ein. Und als sie am Morgen aufwachte und meinte der Frosch sollte wieder forthüpfen, so stand ein schöner junger Königssohn vor ihr und sagte er wäre der bezauberte Frosch gewesen und wäre jetzt erlöst, weil sie ihm versprochen habe sein Schatz zu seyn. Da giengen sie beide zum König, der gab ihnen seinen Segen: es ward eine prächtige Hochzeit gehalten, und die zwei andern Schwestern ärgerten sich daß sie den Frosch nicht zum Schatz genommen hatten.





Stand: 5. Januar 1999.